{DIY} Tellerrock (wahlweise mit Unterrock) TEIL I

Letzte Woche habe ich im Schlussverkauf bei Karstadt (Wahnsinn, die Meterpreise dort! Hinschauen lohnt sich, wenn ihr einen in der Nähe habt..) diesen wunderschönen Stoff mit ausladenden, geöffneten Rosen drauf gefunden. Es handelt sich um einen stabilen Baumwollstoff; da er aber beim Tragen trotzdem leicht durchscheinend war habe ich mich entschlossen, einen Unterrock dazu zu nähen. Der rote Uralt-Baumwollstoff, den ich hierfür gefunden habe, hat aber auch zu gut zu den Farben gepasst.. eigentlich wäre er es zwar absolut wert gewesen, einen einzelnen Rock daraus zu nähen, aber so habe ich eben einen Deluxe-Tellerrock mit knalligem Unterrock daraus gemacht. Im Vorfeld habe ich mir verschiedene Anleitungen durchgesehen, und eine für mich sinnvolle zusammennotiert. Er ist leider erst halb fertig – es fehlen noch Bund, Reissverschluss, Saum unten und eventuelle Zierborten (zum Beispiel eine weiße, breite Spitze an den Unterrock? Funktioniert das, wenn ich sie per Hand annähe – oder brauche ich unbedingt ein Schrägband? Oder ein Samtband an Bund & Ende wäre auch schön.. Und welchen Knopf soll ich nur für den Verschluss wählen?).

Stoff Rosen

Hier nun also TEIL I der Anleitung:

1. Maße berechnen:

Ich habe mir keine Schablonen gebaut – das ist das Schöne am Tellerrock, die einfache Größenberechnung und der Zuschnitt.

Ihr braucht für einen ‚Teller‘ 2x den folgenden Halbkreis (im Ganzen wird brauchen wir ja einen schön weit schwingenden Kreis).

Radius des Innenkreises (r1) wird wie folgt berechnet:

Taille messen (da, wo der Rock sitzen soll). r1 = Taillenumfang : 3,1415 : 2

Radius des Außenkreises (r2) so:

r1 plus die gewünschte Rocklänge. Am besten einen schon vorhandenen Lieblingsrock anziehen und die Länge messen. Dann gebt ihr an allen Seiten noch 1 cm Nahtzugabe dazu.

Tellerrock Schnittmuster

Tipp zum Aufzeichnen:

Ich habe ein flexibles Maßband benutzt, es am Zentrum meines Kreises befestigt (bei der Markierung ‚0‘) und kreisförmig gedreht. Immer bei meiner gewünschten Länge habe ich eine Markierung gesetzt, so alle 3-4 cm. Ausschneiden. Innenkreis genauso.

Wenn euer Stoff keine Halbkreise hergibt oder euch das Muster anders besser gefällt könnt ihr natürlich auch z.B. 4 Viertelkreise aufzeichnen.

Zum Vergleich – meine Maße:

Ich war etwas irritiert davon, dass der Innenkreis bei mir nur einen Durchmesser von 12,6 cm hat – das passt aber! Zum Vergleich nenne ich euch meine errechneten Maße: Meine Taille (da wo er sitzen soll, etwas weiter oben!) hat einen Umfang von 79 cm. Geteilt durch 3,1415 und dann geteilt durch 2 ergibt das 12,6 cm (= Radius Innenkreis, r1).

Als Rocklänge habe ich mich dann von der Stoffbreite leiten lassen – das Muster sah am schönsten aus, wenn ich den Stoff einfach quer nehme, und dadurch wurde er auch nur etwa 2 cm kürzer. Wenn ihr einen längeren Rock wollt -> Halbkreis nicht quer, von Webkante zu Webkante ausschneiden sondern längs, von Schnittkante zu Schnittkante. Bei mir war die Stoffbreite 131 cm, Das Zentrum als bei 65,5 cm. Darum herum 12,6 cm für den Innekreis abgetragen – bleiben 52,9 cm. Davon 1 cm Nahtzugabe abgezogen – blieb eine Rocklänge von ca. 52 cm. Dazu kommt ja oben auch immernoch der Bund.

Tellerrock Zuschnitt

2. Wenn ihr einen Unterrock wollt:

Ersten Halbkreis als Schablone verwenden und ebenfalls 2x ausschneiden. Davon dann entlang der Rundung etwas wegschneiden, damit der Unterrock kürzer ist. Ich habe ca. 2 cm abgeschnitten. Ihr könnt ihn aber auch herausspitzen lassen (= etwas länger fertigen), oder am Ende eine Spitze annähen, oder kürzer machen und Tüll annähen, oder oder oder… Da fällt mir ein – das abgeschnittene Stück könnte man für einen anderen Rock als Schrägband nutzen!

Nochmal: Der Rock ist auch ohne Unterrock absolut tragbar & fürs Erste wirklich einfacher! Ich selbst habe auch einige Röcke (z.B. aus Spitze, Tüll oder Vintage-Unterkleidchen) die ich sonst unter solche Röcke ziehe. Ich mag es einfach, wenn da noch etwas hervorspitzt ;)

Tellerrock Unterrock Zuschnitt3. Den Bund zuschneiden:

Ganz ehrlich – ich habe noch nie einen Rock genäht und keine Ahnung, ob das mit dem Bund so klappt. Bei meinen weitläufigen Internetrecherchen habe ich immer wieder die beiden Möglichkeiten gefunden, den Bund entweder gerade auszuschneiden (also als Rechteck) oder ebenfalls gekrümmt (als Kreislinie sozusagen). Ich habe mich für erstere Variante entschieden, da weniger Stoff gebraucht wird, mir das Ganze logisch erscheint und es etwas einfacher wirkt. Wir werden dann im Teil II sehen, wie gut das Ganze funktioniert.. und sonst wohl noch einen 2. Versuch mit dem gekrümmten Rand starten.

Für die Berechnung gilt:

Der Bund wird doppelt gelegt. Ihr überlegt euch also, wie breit er sein soll. Das verdoppelt ihr  (= Höhe des Rechtecks).

Die Breite des Rechtecks ist euer Taillenumfang (an der Stelle an der er sitzen soll) PLUS 5 cm für die Knopfleiste.

Rundherum gebt ihr 1 cm Nahtzugabe zu!

Bei mir: Höhe Bund 5 cm. Taille 79 cm. Rechteck hat Maße 10cm (+2 Zugabe) x 79cm (+5 Knopfleiste + 2 Zugabe) = 12 x 86 cm.

Wichtig: Den Bund braucht ihr nur aus dem Oberstoff zuschneiden! Wenn er eher dünn ist schneidet ihr euch aus einem dickeren Stoff oder am besten einem Bügelvlies (hier spare ich aber immer ganz gern und suche mir lieber irgendwas anderes zum Stabilisieren..) ein zweites Rechteck zu, das ihr dann einfach mit einnäht.

Schnittmuster BundZuschnitt Bund

Das habt ihr nun ausgeschnitten, evtl. plus 2 Halbkreise für den Unterrock und eine Einlage für den Bund:Zuschnitt gesamt

4. Rock und Unterrock einzeln nähen:

Der Rock und der Unterrock werden einzeln genäht, nur am Bund werden sie dann vereint.

Für einen Rock heißt das:

Rechts auf rechts aufeinander legen. Eine Längsseite komplett zusammennähen. Zweite Seite von unten her zusammennähen, 15-20 cm für euren Reißverschluss oben offen lassen!

Bevor ihr die zweite Seite näht – probiert ihn an, ob er an der richtigen Stelle sitzt! Beachtet, dass darüber noch eure Saumbreite hinzukommt. Falls zu eng – Innenkreis etwas größer schneiden. Falls zu weit – zweite Naht mit etwas mehr Nahtzugabe nähen.

Garn wechseln – beim zweiten Rock genauso verfahren.

Unterrock nähenTellerrock zusammennähen5. Rock und Unterrock zusammennähen (falls ihr einen Unterrock habt):

Beide richtig herum drehen. Unterrock von unten in den Rock stecken. Ich würde beide zusammen zur Sicherheit nochmal anprobieren. Fein säuberlich zusammenstecken und zusammennähen (ihr müsst keinen Saum umschlagen, darüber kommt ja noch der  Bund. Man sieht diese Nähkante später nicht mehr).

Zusammennähen Rock und UnterrockSo, das war der erste Teil. Sobald ich wieder in der Nähe der Nähmaschine bin gehts weiter! Ich bin schon ganz gespannt und freue mich jetzt schon darauf, ihn endlich zu tragen – mit diversen Strumpfhosen darunter geht das ja zum Glück auch bei den momentanen Temperaturen.

Hier noch einn Foto des Momentanzustandes – ihr seht schon schön, wo er sitzen wird und wie der Stoff fällt.

ZwischenstandEntschuldigt bitte die Handyfotos – aber ganz ehrlich, momentan gefallen sie mir einfach am besten. Am Schluss gibt es noch ein schönes, ‚richtiges‘ (inwiefern kann man das bei Digitalfotografie sagen?) Tageslichtfoto, versprochen!

9 Kommentare zu “{DIY} Tellerrock (wahlweise mit Unterrock) TEIL I

  1. Ach ja, und du solltest den Rock vor dem Säumen am besten einige Tage aushängen lassen, da die Unterkante stellenweise im Fadenlauf, stellenweise schräg liegt. ;)

  2. Danke Dir!! Hab auch was in der Richtung gelesen, klingt auch absolut schlüssig ;) Reicht das, wenn man das beim Saum beachtet? Oder sollte man solche Nähwerke generell vor dem Nähen aushängen lassen?

  3. Ich wasche Stoffe grondsätzlich vor dem Nähen, wegen des Einlaufens (mit Dampf gut durchbügeln geht auch). Aushängen lassen macht erst Sinn wenn das Teil sine Form bekommen hat, also vor dem Säumen.
    Die Länge ist dann nicht mehr rundherum gleich und muss korrigiert werden, da der Stoff im der Schräge nachgibt, im Fadenlauf aber nicht. Am einfachsten geht das mit einem Rockabrunder – oder mit Hilfe einer 2. Person, denn du musst den Rock dazu anziehen, damit es rundum passt.

  4. Im Prinzip ein kleiner Gummibalg, mit Kreidepulver gefüllt, der an einem Gestell befestigt ist. Du stellst die Höhe ein, drehst dich vor dem Ding, drückst dabei auf einen 2. Gummibalg, der durch einen Schlauch mit dem 1. verbunden ist und pustest so eine Kreidelinie auf den Stoff. Funktioniert praktisch wie die alten Parfümzerstäuber, nur mit Kreidestaub. ;)

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